Verfasst von: Axel Brodehl | 4. März 2017

Südkurven-Problem bei FC Carl Zeiss Jena

Beim Fußball treffen bekanntlich verschiedene Interessen aufeinander. Einen Streit ganz anderer Art erlebt(e) gerade der FC Carl Zeiss Jena. Geplant ist ein Stadion-Neubau, bei dem die Fans aus der Südkurve in Zukunft in der Nordkurve untergebracht werden sollten, wogegen sich die Fanorganisationen wehrten. Die Ordnungsbehörden wiederum pochten auf der Umsetzung des Projekts aus Sicherheitsgründen. Und die Stadt Jena wähnte sich zwischen den Stühlen, da sie einerseits den Verein unterstützen, die Fans nicht verärgern, aber auch baupolizeiliche Vorgaben einhalten will.

Nun kam es zu einem Mediationsverfahren, an dem Fanorganisationen, der Verein, die Stadt Jena, die Polizei, die Feuerwehr und das Innenministerium teilnahmen. Es wurde verlautbart, daß die Mediation erfolgreich verlaufen sei. Es sei eine gemeinsame Lösung gefunden worden, wonach die Fans in der Südkurve bleiben können, wenn die Fanorganisationen innerhalb einer vorgegebenen Frist eine Selbstverpflichtung unterschreiben und sich dann auch daran halten. Hierzu zählen ein selbstorganisierter Ordnerdienst, die Bereitschaft, bei Risikospielen eine angepaßte Fanroute zu nehmen, die Zahlung eines Bau-Solis von 1 Euro pro Person pro Spiel sowie weitere Maßnahmen.

Im Mediationsergebnis wurde auch festgehalten, was passiert, wenn man sich nicht an die Abmachung hält: Dann müssen die Fans doch in die Nordkurve. Die Stadt prüft nun, wie das Konzept baulich verändert werden muß, um das Mediationsergebnis umzusetzen.

Mediationen im öffentlichen Bereich zeichnen sich dadurch aus, daß in der Regel nicht nur zwei, sondern mehr Parteien in einen Konflikt involviert sind. Außerdem sind oftmals eine oder mehrere der Parteien in sich nicht heterogen. Dies kann die Lösungsfindung zusätzlich erschweren. Herzlichen Glückwunsch, daß im vorliegenden Fall eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden wurde.

Quellen:

Jena TV

Tühringen24

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 28. Februar 2017

Mediation im Gesundheitswesen

Wenn man von Mediation hört oder liest, dann werden typischerweise Konflikte in der Nachbarschaft, in der Familie, am Arbeitsplatz oder in anderen wirtschaftlichen Kontexten, in der Schule, bei öffentlichen Bauprojekten, o.ä. genannt. Ein Tätigkeitsfeld, von dem man nicht so häufig hört, ist die Mediation im Gesundheitswesen.

Nun findet am 17.03.2017 eine Tages-Veranstaltung exklusiv zu dieser Materie statt. Im ersten Moment könnte man sich wundern, daß ein ganzer Kongreß diesem Thema gewidmet ist. Doch bei näherem Nachdenken macht das durchaus Sinn, da es auch hier viele spannende Felder gibt, wie beispielsweise Streit um Behandlungsfehler, Enttäuchungen im Krankenhaus, Abstimmungsschwierigkeiten bei der Pflege eines nahen Angehörigen, Ärger um den Führerscheinentzug aus körperlichen oder geistigen Gründen oder das Etablieren und Durchführen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Der Initiativ-Kongreß „Mediation und Gesundheit“ wird organisiert von der Initiative Mediation und Gesundheit e.V. und findet in Düsseldorf statt.

Nähere Informationen zu der Veranstaltung samt der Möglichkeit, sich anzumelden, finden sich hier.

Verfasst von: Axel Brodehl | 1. Februar 2017

Neue Unternehmerpflichten gelten ab heute

Seit heute gelten die neuen Unternehmerpflichten des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG). Das bedeutet, die betroffenen Unternehmer müssen ab sofort auf ihrer Website bzw. in ihren AGB Verbrauchern gegenüber mitteilen, ob sie im Falle eines Konflikts bereit oder verpflichtet sind, an einem Streitbeilegungsverfahren teilzunehmen, und welche Verbraucherschlichtungsstelle zuständig ist.

Nähere Informationen finden sich hier.

Verfasst von: Axel Brodehl | 2. Januar 2017

Friedliches Neues Jahr

Nach einem – zumindest gefühlt – gewaltsameren Jahr 2016 wünsche ich allen ein gesundes, glückliches, erfolgreiches und friedliches Neues Jahr!

Mögen Sie von großen Konflikten und Zwietracht verschont bleiben, so daß Sie sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren können.

Alles Gute und mit besten Grüßen

Ihr Axel Brodehl

Verfasst von: Axel Brodehl | 29. Dezember 2016

Unterschied Mediation und Schlichtung

In Zeitungsartikeln werden die Begriffe Mediation und Schlichtung oft als Synonyme verwendet. Handelt es sich wirklich um dasselbe oder gibt es Unterschiede?

Wo liegen die Gemeinsamkeiten?

In beiden Verfahren geht es in der Regel um Konflikte zwischen zwei oder mehr Parteien. Um eine schnellere bzw. in festgefahrenen Situationen überhaupt eine Lösung zu finden, wird in beiden Verfahren eine neutrale dritte Person eingeschaltet, die das Verfahren führt. Das Verfahren kann auch von einem Team von Schlichtern oder von Mediatoren geleitet werden. Bei beiden Verfahren handelt es sich um alternative Verfahren zu Gerichtsverfahren. Anders als vor einem Richter müssen sich die Parteien nicht einer Entscheidung beugen.

Soweit die Gemeinsamkeiten.

Wo aber liegt der Unterschied?

Eine Schlichtung ist ein Verfahren, bei dem der neutrale Dritte, also der Schlichter, an der Lösungsfindung aktiv mitarbeitet. Finden die Parteien keine eigene Lösung, unterbreitet der Schlichter am Ende des Verfahrens einen Entscheidungsvorschlag. Hierfür bewertet er die Positionen der Parteien, die vorgelegten Belege und die Erfolgsaussichten.

Bei einem Mediationsverfahren hingegen hält sich der Mediator mit Lösungsvorschlägen zurück. Auch bewertet er nicht und läßt sich keine Belege vorlegen. Er hat auch keine Entscheidungsbefugnis. Seine Aufgabe ist es vielmehr, für einen geordneten Ablauf des Verfahrens zu sorgen und die Parteien dabei zu unterstützen, daß sie gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Es geht also vielmehr um eine Unterstützung in der Kommunikation zwischen den Parteien und ein Herausarbeiten der Interessen hinter den Positionen der Parteien.

Typische Anwendungsfälle einer Schlichtung sind unter anderem Verbraucherstreitigkeiten (beispielsweise wenn es um Fluggast- oder Bahngastrechte geht), Streitigkeiten über Gebrauchtwagenkäufe, Werkstattreparaturen, Handwerksleistungen, Arztdienstleistungen, Kredit- oder Versicherungsverträge sowie Auseinandersetzungen zwischen Tarifparteien.

Typische Anwendungsfälle von Mediationsverfahren sind hingegen vor allem Konflikte zwischen Parteien, die in einer (Art) Dauerbeziehung stehen, also beispielsweise Streitigkeiten zwischen Familienangehörigen, Nachbarn, am Arbeitsplatz, zwischen Gesellschaftern und Geschäftsführern, zwischen Gesellschaftern untereinander sowie zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten, Kunden oder sonstigen Geschäftspartnern. Gerade bei Streitigkeiten im öffentlichen Bereich gibt es darüber hinaus auch zahlreiche Konflikte zwischen mehreren Interessengruppen, beispielsweise bei einer Umgehungsstraße zwischen Behörden, Anwohnern, ansässigen Geschäften, Umweltverbänden, etc.

Bei den Anwendungsbereichen gibt es aber durchaus auch viele Überschneidungen, etwa bei den Nachbarschaftsstreitigkeiten, für die es spezielle Schlichtungsstellen gibt.

Verfasst von: Axel Brodehl | 19. November 2016

Konferenz Verbraucherschlichtung aus Unternehmersicht

Am 24.11.2016 findet im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz die Konferenz „Verbraucherschlichtung aus Unternehmersicht“ statt. Hierbei geht es unter anderem um die am 01. Februar 2017 in Kraft tretenden Informationspflichten für Unternehmer gemäß §§ 36, 37 VSBG.

Die Einladung richtet sich an Unternehmen und Wirtschaftsverbände. Hier kann man sich noch bis zum 22.11.2016 für die Veranstaltung in Berlin anmelden.

Verfasst von: Axel Brodehl | 17. November 2016

Neue Informationspflichten für Unternehmen

Seit dem 01. April 2016 ist das Gesetz über die alternative Streitbeilegung in Verbrauchersachen (kurz: Verbraucherstreitbeilegungsgesetz) in Kraft. Zum 01. Februar 2017 werden nun auch die §§ 36, 37 VSBG in Kraft treten, in denen die Informationspflichten von Unternehmen geregelt sind. Danach sind Unternehmen verpflichtet, Verbraucher auf die Möglichkeit einer außergerichtlichen Streitbeilegung aufmerksam zu machen, wenn es bei Kauf-, Dienstleistungs- oder Online-Verträgen zu Konflikten kommt (siehe auch hier).

Ein Unternehmer, der eine Website unterhält oder Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) verwendet, muß den Verbraucher gemäß § 36 VSBG klar und verständlich davon in Kenntnis setzen, inwiefern er zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren bereit oder verpflichtet ist und welche Verbraucherschlichtungsstelle zuständig ist. Der Unternehmer muß diese Hinweise auf seiner Website bzw. zusammen mit seinen AGB aufzeigen.

Hier ist der Wortlaut vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz:

§ 36 VSBG
Allgemeine Informationspflicht
(1) Ein Unternehmer, der eine Webseite unterhält oder Allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet, hat den Verbraucher leicht zugänglich, klar und verständlich
1. in Kenntnis zu setzen davon, inwieweit er bereit ist oder verpflichtet ist, an Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen, und
2. auf die zuständige Verbraucherschlichtungsstelle hinzuweisen, wenn sich der Unternehmer zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle verpflichtet hat oder wenn er auf Grund von Rechtsvorschriften zur Teilnahme verpflichtet ist; der Hinweis muss Angaben zu Anschrift und Webseite der Verbraucherschlichtungsstelle sowie eine Erklärung des Unternehmers, an einem Streitbeilegungsverfahren vor dieser Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen, enthalten.
(2) Die Informationen nach Absatz 1 müssen
1. auf der Webseite des Unternehmers erscheinen, wenn der Unternehmer eine Webseite unterhält,
2. zusammen mit seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen gegeben werden, wenn der Unternehmer Allgemeine Geschäftsbedingungen verwendet.
(3) Von der Informationspflicht nach Absatz 1 Nummer 1 ausgenommen ist ein Unternehmer, der am 31. Dezember des vorangegangenen Jahres zehn oder weniger Personen beschäftigt hat.
§ 37 VSBG
Informationen nach Entstehen der Streitigkeit
(1) Der Unternehmer hat den Verbraucher auf eine für ihn zuständige Verbraucherschlichtungsstelle unter Angabe von deren Anschrift und Webseite hinzuweisen, wenn die Streitigkeit über einen Verbrauchervertrag durch den Unternehmer und den Verbraucher nicht beigelegt werden konnte. Der Unternehmer gibt zugleich an, ob er zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren bei dieser Verbraucherschlichtungsstelle bereit ist oder verpflichtet ist. Ist der Unternehmer zur Teilnahme am Streitbeilegungsverfahren einer oder mehrerer Verbraucherschlichtungsstellen bereit oder verpflichtet, so hat er diese Stelle oder diese Stellen anzugeben.
(2) Der Hinweis muss in Textform gegeben werden.
Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Oktober 2016

Falscher Mediator bei der Formel 1

Im Mercedes AMG F1 Team kracht es regelmäßig zwischen dem amtierenden, dreifachen Weltmeister Lewis Hamilton, und dem derzeit führenden Nico Rosberg. Das bringt die Teamverantwortlichen wie Aufsichtsrat Niki Lauda und Teamchef Toto Wolff immer wieder zur Verzweiflung. Hierzu schrieb DiePresse.com am Wochenende des Artikel „Der Mediator der Formel 1: Maßregeln, schmeicheln und siegen“.

Die letzte Teamkollision liegt bereits 5 Monate zurück. Und trotz des zwei Rennen vor Saisonende noch offenen Ausgangs – Rosberg führt in der Gesamtwertung mit 19 Punkten vor Hamilton – ist angeblich wieder Teamfrieden eingekehrt. Das wird insbesondere dem Teamchef Wolff zugeschrieben. Seine Aufgabe sei es, die Kontrahenten zu loben und zu maßregeln. Aber seine Arbeit deshalb als „Mediation“ zu bezeichnen, die zu seinen Stärken gehöre, zeigt mal wieder das fehlende Verständnis vieler Redaktionen für die Mediation. Inzwischen wird nur allzu oft jegliche Form von Streitbeilegung vorschnell als Mediation bezeichnet – sei es beispielsweise die Schlichtung im Rahmen von Stuttgart 21 oder der Abschluß von Koalitionsvereinbarungen. Dabei wird verkannt, daß hier weder ein Mediationsverfahren durchgeführt noch ein Mediator am Werk ist. Denn Mediationen sind außergerichtliche Verfahren, die bestimmten Strukturen folgen. Es darf bezweifelt werden, daß Toto Wolff mit Hamilton und Rosberg ein solches Verfahren durchführt. Und auch wenn der Begriff des Mediators weiterhin nicht geschützt ist, so dürfte es Teamchef Wolff zumindest am Merkmal der Unabhängigkeit fehlen.

Bevor der nächste Artikel mit den Begriffen Mediation oder Mediator von einem TV- oder Radiosender, einer Zeitung, Zeitschrift oder Onlineplattform veröffentlicht wird, lohnt sich ein Blick ins Lexikon oder das Anschauen des leicht verständlichen Erklärvideos des Bundesverband Mediation e.V.

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. September 2016

Bandbreite Mediationsausbildung

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Grundausbildungen Mediation ausfallen. War um die Jahrtausendwende noch eine primäre Frage, ob ein Kurs 90 oder 120 Stunden umfaßt, erstreckt sich die Bandbreite inzwischen von 90 bis teilweise über 200 Stunden, von (fast) reiner Praxis bis (fast) reiner Theorie. Viele Ausbildungen bestehen ausschließlich aus Präsenzveranstaltungen, aber es ziehen auch immer mehr Online-Angebote ein, die zum Beispiel teilweise in Form von Webinaren abgehalten werden. Außerdem gibt es immer mehr Kurse, die vom Umfang jedoch nicht ausreichen, am Ende eine Zertifizierung zu ermöglichen.

Und dann gibt es die Studiengänge, allen voran die etablierten Kurse an der FernUni Hagen und an der EuropaUniversität Viadrina, mit einer Kombination aus Selbststudium und Präsenzveranstaltungen. Bei letzterer hat gestern ein neuer Jahrgang begonnen – wieder aufgeteilt in zwei Gruppen, von denen die eine aus Teilnehmern mit bereits vorhandener Mediationsausbildung besteht, während die andere innerhalb des Studiums auch eine praktische Ausbildung genießt. Voraussetzung für die Teilnahme in beiden Kursen ist unter anderem der erfolgreiche Abschluß eines vorherigen Studiums sowie bereits gesammelte Berufserfahrung, von denen die Teilnehmer dann wechselseitig profitieren können. 

Infos zu den genannten Studiengängen mit jeweils weiterführenden Links finden sich hier: 

FernUni Hagen

Europa-Universität Viadrina

Verfasst von: Axel Brodehl | 24. August 2016

Zuliefererstreit bei VW

Ein Klassiker der Wirtschaftsmediation: zwei Unternehmen arbeiten seit Jahren eng miteinander und sind eigentlich aufeinander angewiesen. Dann kommt Sand ins Getriebe, ein Streit eskaliert. Im schlimmsten Fall wird der Disput in den Medien ausgetragen oder zumindest verfolgt; so war es gerade zu sehen zwischen der Volkswagen AG und zwei Tochterunternehmen des Zulieferers Prevent.

Zwischenzeitlich hatte sich sogar die Bundesregierung eingeschaltet. Aus Sorge um ca. 28.000 betroffene Arbeitsplätze, für die Kurzarbeit im Gespräch war, was die Beitragszahler etwa 10 Millionen pro Woche hätte kosten können, appellierte die Bundesregierung an die Konfliktparteien, sich zu einigen. Der ausgetragene Konflikt kostete die Volkswagen AG angeblich 100 Millionen Euro pro Tag. Inzwischen kam es zu einer Einigung, deren Inhalt öffentlich nicht bekannt ist.

Der Konflikt und die zukünftige Weiterarbeit zwischen VW und Prevent zeigt, wie sehr beide Seiten aufeinander angewiesen sind. Nicht immer findet sich so schnell eine Lösung wie im vorliegenden Fall. Wenn Emotionen eine Rolle spielen, kann der Klärungsprozeß deutlich länger andauern. Gerade in vielen Fällen von Wirtschaftsmediation kann es sinnvoll sein, zu einer schnellen Lösung zu kommen.

Quellen:

Tagesspiegel.de

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