Verfasst von: Axel Brodehl | 24. August 2016

Zuliefererstreit bei VW

Ein Klassiker der Wirtschaftsmediation: zwei Unternehmen arbeiten seit Jahren eng miteinander und sind eigentlich aufeinander angewiesen. Dann kommt Sand ins Getriebe, ein Streit eskaliert. Im schlimmsten Fall wird der Disput in den Medien ausgetragen oder zumindest verfolgt; so war es gerade zu sehen zwischen der Volkswagen AG und zwei Tochterunternehmen des Zulieferers Prevent.

Zwischenzeitlich hatte sich sogar die Bundesregierung eingeschaltet. Aus Sorge um ca. 28.000 betroffene Arbeitsplätze, für die Kurzarbeit im Gespräch war, was die Beitragszahler etwa 10 Millionen pro Woche hätte kosten können, appellierte die Bundesregierung an die Konfliktparteien, sich zu einigen. Der ausgetragene Konflikt kostete die Volkswagen AG angeblich 100 Millionen Euro pro Tag. Inzwischen kam es zu einer Einigung, deren Inhalt öffentlich nicht bekannt ist.

Der Konflikt und die zukünftige Weiterarbeit zwischen VW und Prevent zeigt, wie sehr beide Seiten aufeinander angewiesen sind. Nicht immer findet sich so schnell eine Lösung wie im vorliegenden Fall. Wenn Emotionen eine Rolle spielen, kann der Klärungsprozeß deutlich länger andauern. Gerade in vielen Fällen von Wirtschaftsmediation kann es sinnvoll sein, zu einer schnellen Lösung zu kommen.

Quellen:

Tagesspiegel.de

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Juli 2016

AfD-interne Mediation

Das wird ein sehr schwieriges Mediationsverfahren. Die AfD (Alternative für Deutschand) in Baden-Württemberg hatte bekanntermaßen zunächst sehr erfolgreich bei der diesjährigen Landtagswahl abgeschnitten und sich dann kurz nach Fraktionsbildung so zerstritten, daß sie in zwei Fraktionen auseinandergebrochen ist. Der AfD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg Jörg Meuthen, der gleichzeitig gemeinsam mit Frauke Petry die Bundespartei führt, hat Anfang Juli die AfD-Fraktion mit 13 weiteren Abgeordneten verlassen und eine neue Fraktion, die ABW (Alternative für Baden-Württemberg), gegründet. Als Hintergrund nannte er antisemitische Äußerungen des inzwischen zurückgetretenen AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon sowie die fehlende Distanzierung hiervon durch die in der AfD-Fraktion verbliebenen Abgeordneten. Seit die ABW in der vergangenen Woche als reguläre Fraktion im baden-württembergischen Landtag anerkannt wurde, gibt es also zwei Fraktionen derselben Partei in demselben Parlament.

Um die Situation zu klären, soll nun ein Mediationsverfahren durchgeführt werden. Hierbei könnten unterschiedliche Themen eine Rolle spielen vom zukünftigen Umgang miteinander bis hin zu der Frage, ob sich die beiden Fraktionen wieder einen und als eine Fraktion auftreten. Allerdings werden beide Seiten ihr Gesicht wahren wollen. Dies macht es im vorliegenden Fall sehr schwierig, da der Ausgang des Verfahrens nicht nur parteiintern genauestens beäugt wird, sondern auch von der Presse und damit von den Wählern. Durch den kometenhaften Aufstieg der Partei sowie die permanenten Querelen zwischen Meuthen und Petry im Bundesvorstand findet das Verfahren über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus auch in der restlichen Nation Beachtung. Dies erschwert die Arbeit im Mediationsverfahren, zumal es sich nicht nur um einen Inhalt handelt, der öffentlich verfolgt wird, sondern außerdem um öffentlich ausgetragene persönliche Befindlichkeiten. Eine sehr spannende Aufgabe für den Mediator, um die er allerdings nicht unbedingt zu beneiden ist.

Quellen:

Stuttgarter Zeitung

Focus

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 11. Juli 2016

Wie man Konflikte verhindert

Heute wurde ich wieder mal gefragt, wie man Konflikte verhindern kann. Die Antwort ist sehr einfach:

Man kann nicht jeglichen Konflikt verhindern. Aber manche Konflikte lassen sich tatsächlich verhindern und andere zumindest in ihrer Intensität reduzieren. Das entscheidende Schlagwort heißt – für viele sicherlich nicht überraschend – Kommunikation.

Wichtig sind ein respektvoller Umgang sowie eine offene Kommunikation.

Ein respektvoller Umgang miteinander ist eigentlich selbstverständlich. Kommt es jedoch zu einem Konflikt, verabschieden wir uns nur allzu leicht hiervon. Damit befeuern wir einen Konflikt, anstatt ihn zu entschärfen. Es ist wie mit einer gemeinsamen Suppe, an der zwei verärgerte Köche gemeinsam arbeiten, in die der eine Pfeffer reinwirft: das schärft die Suppe und führt dazu, daß der andere als Reaktion vermutlich ebenfalls Pfeffer reinwirft, was die Suppe noch mehr verschärft. Das kann endlos hin- und hergehen, während sich die Situation immer weiter verschärft, die Suppe also immer ungenießbarer wird. Höre ich hingegen auf, dann stehen die Chancen gut, daß der andere ebenfalls aufhört. Man verläßt also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Eskalationsspirale. Damit ist der Konflikt zwar nicht gelöst, aber er verschlimmert sich nicht weiter. Denn eine Lösungsfindung ist bekanntlich umso schwieriger und zeitintensiver, umso schärfer der Konflikt ausfällt. Sind wir also bereits in einem Konflikt, sollten wir darauf achten, dennoch einen respektvollen Umgang zu wahren und die Situation nicht durch unsere Wortwahl zu verschärfen.

Eine offene Kommunikation wiederum führt nicht selten dazu, daß ein Konflikt erst gar nicht entsteht. Denn mit einer offenen Kommunikation zeigen wir dem anderen unsere Bedürfnisse, Wünsche oder Befürchtungen und in manchen Fällen auch, wo unsere Grenzen liegen. Viele Konflikte resultieren daraus, daß jemand in Unkenntnis unserer Bedürfnisse, Wünsche, Befürchtungen oder Grenzen etwas sagt, macht oder unterläßt, was uns verletzt – und ein neuer Konflikt kann geboren werden.

Mit einem respektvollen Umgang und einer offenen Kommunikation lassen sich also zahlreiche Konflikte vermeiden, während bereits entstandene Konflikte häufig nicht weiter intensiviert werden – in der Hoffnung, daß sich die andere Konfliktpartei hierdurch ebenfalls von einer Verschärfung der Situation abbringen läßt.

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. Juni 2016

Fernstudium Mediation

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was ich von einem Fernstudium Mediation halte. Das pauschal zu beantworten ist schwer; immerhin gibt es inzwischen eine Vielzahl von Angeboten. Es ist nie verkehrt, sich mit der Materie Konfliktmanagement und alternative Streitlösungs- und -begleitungsverfahren zu beschäftigen. Und ein reiner  Fernlehrgang ist sicherlich besser als gar nichts.

Wer aber wirklich etwas für das Leben mitnehmen möchte, sollte aus meiner Sicht unbedingt darauf achten, daß es möglichst viele Präsenzveranstaltungen gibt. Denn erst im Diskurs und vor allem in den praktischen Übungen lernt man richtig, mit unterschiedlichen Konfliktsituationen umzugehen. Theorie ist ausgesprochen wichtig, um die unterschiedlichen Konfliktbeilegungsverfahren kennenzulernen, zu verstehen und untereinander abgrenzen zu können. Aber erst das konstruktive Feedback vom Kursleiter und den anderen Teilnehmern hilft meiner Ansicht nach, das Erlernte so zu verinnerlichen, daß man es in der Praxis dann auch vernünftig und zielführend einsetzen kann.

Viel Erfolg!

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Mai 2016

Konflikte im Ausland

Die typischen Konflikte gibt es überall: Ärger in der Familie, Krach mit den Nachbarn, Konflikte am Arbeitsplatz, Streit mit Geschäftspartnern, etc. Egal ob in Indien, Australien, Japan, Südafrika oder Mexiko. Das kam in verschiedenen Gesprächen im Rahmen der diesjährigen Weltkonferenz von Rotary International in Seoul (Südkorea) immer wieder zur Sprache.

Und dann sind da die Konflikte, die uns in Deutschland zwar häufig bekannt, im Alltag aber völlig fremd sind. So gibt es beispielsweise Streit bei der Frage, wer den ersten Zugriff auf das Brunnenwasser erhält. Konfliktträchtig ist auch die Wahl zwischen dem Begleichen der Miete, dem Kauf von Lebensmitteln oder dem Zählen des Schulgelds, was nicht selten zu Lasten des Schuldgelds und der Miete geht. Auch die Frage, wer Vorrang von medizinischer Hilfe bei lebenswichtigen Behandlungen und Operationen erhält, führt nicht selten zu Streit.

Werden Konflikte grenzübergreifend ausgetragen, dann helfen unter anderem die Mediatoren von Mediators Beyond Borders International, eine überregionale Vereinigung von aktiven Rotariern, die aber auch bei den lokalen Konflikten in ihrer jeweiligen Region dabei helfen, den Dialog wieder aufzunehmen, um den Konflikt dauerhaft zu lösen.

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. April 2016

Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) in Kraft getreten

Am 01.04.2016 ist das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) in Kraft getreten. Dieses verpflichtet Unternehmen, Verbraucher auf die Möglichkeit einer außergerichtlichen Streitbeilegung aufmerksam zu machen, wenn es bei Kauf-, Dienstleistungs- oder Online-Verträgen zu Konflikten kommt (siehe auch hier).

Ein Unternehmer, der eine Website unterhält oder Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) verwendet, muß den Verbraucher gemäß § 36 VSBG klar und verständlich davon in Kenntnis setzen, inwiefern er zur Teilnahme an einem Streitbeilegungsverfahren bereit oder verpflichtet ist und welche Verbraucherschlichtungsstelle zuständig ist. Der Unternehmer muß diese Hinweise auf seiner Website bzw. zusammen mit seinen AGB aufzeigen.

Quelle:

Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG)

Verfasst von: Axel Brodehl | 29. Februar 2016

Umfrage zum Verhandlungsmanagement

Um eine präzisere Vorstellung vom Status Quo des Verhandlungsmanagements in Deutschland zu gewinnen, führt die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) (www.ikm.europa-uni.de) auf Initiative des Round Table Mediation und Konfliktmanagement der deutschen Wirtschaft (www.rtmkm.de) und gemeinsam mit der EBS Business School eine groß angelegte empirische Studie durch und bittet daher um Unterstützung: je mehr Personen, die im Wirtschaftskontext täglich Verhandlungen führen, an der Umfrage teilnehmen, desto aussagekräftiger werden die Studienergebnisse.

Die Bearbeitung des Online-Fragebogens soll ca. 15 Minuten dauern; die Umfrage besteht im Wesentlichen aus Multiple Choice-Fragen.

http://survey.2ask.de/7a3407e3ef5e0fe7/survey.html

Für den Fall, dass Sie über die Ergebnisse der Untersuchung informiert werden möchten, haben Sie am Ende des Online-Fragebogens die Möglichkeit, der Europa-Universität Ihre Kontaktdaten zu hinterlassen.

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Januar 2016

Pflicht zur außergerichtlichen Streitbeilegung

In Zukunft sind Unternehmen verpflichtet, Verbraucher bei einem Konflikt im Rahmen von Kaufverträgen und Dienstleistungsverträgen über die Möglichkeit zu informieren, diesen außergerichtlich beizulegen. Dies wird in dem neuen Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) geregelt, das der Bundesrat am Freitag durchgewunken hat. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie 2013/11/EU um und verpflichtet den Staat dazu, für außergerichtliche Streitbeilegungsstellen mit dem erforderlichen Fachwissen, Unparteilichkeit, Unabhängigkeit und Transparenz zu sorgen.

Außerdem soll mit dem Gesetz die EU-Verordnung Nr. 524/2013 zur Online-Beilegung verbraucherrechtlicher Streitigkeiten und die Änderung der EG-Verordnung Nr. 2006/2004 umsetzen, wonach unter anderem Verbraucher und Unternehmer bei grenzübergreifenden Streitigkeiten aus Online-Verträgen bei der Suche nach einer Streitbeilegungsstelle unterstützt werden sollen.

Quellen:

Bundesrat Publikation

Bundesrat Plenum Kompakt

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Dezember 2015

Unterschied zwischen Österreich und Deutschland

So unterschiedlich kann das Verständnis der Mediation ausfallen:

Gemäß der überarbeiteten Version des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GERS) versteht man in Österreich unter Mediation „jede sprachliche Aktivität, die dem sprachlichen Vermitteln zwischen Personen und/oder Institutionen dient.“ Gemäß der Universität Innsbruck erleichtert der Mediator den Gesprächsparteien „den Zugang zu Wissen und Verstehen“ und baut ihnen damit eine Brücke. Unter den Begriff der Mediation falle „das Übersetzen und Interpretieren, multi- und plurilinguale Kompetenzen, Kommunikation durch digitale Medien und das Verstehen und Deuten von Literatur.“

In Deutschland hingegen versteht man unter Mediation eine bestimmte Methode, mit der Konfliktparteien dabei unterstützt werden, über ihre Interessen zu reden, um gemeinsam eine Lösung zu finden und damit den Konflikt dauerhaft zu beseitigen. Die Aufgabe des Mediators ist dabei nicht, den Konfliktparteien Lösungsvorschläge zu unterbreiten, sondern lediglich, sie im Rahmen eines geordneten Verfahrens in der Kommunikation zu unterstützen. So gehört beispielsweise das Verstehen und Deuten von Literatur nach hiesigem Verständnis nicht unbedingt zur Kompetenz eines Mediators. Und was die Kommunikation durch digitale Medien anbelangt, so wird das teilweise angeboten, ist aber nicht zwingend erforderlich.

Quelle: Universität Innsbruck

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. November 2015

Vermittlerrolle verloren

Ein klassisches Betätigungsfeld der Mediation ist die Beschäftigung mit internationalen Konflikten. Diese genießen nicht nur deshalb eine Besonderheit, weil häufig unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. Auch der nicht seltene kulturelle Zusammenstoß birgt Gefahren für den Erfolg der Mediation. Damit ist die Mediation rund um Friedensprozesse sehr spannend. Der Mediator braucht nicht nur ein Gespür für die Bedürfnisse der Parteien, wie das auch bei anderen Mediationen notwendig ist, sondern er benötigt zudem spezielle Kenntnisse zu den Hintergründen der jeweiligen Regionen/ Völker/ Religionen/ etc.

Nun ist zu lesen, daß Israel gerade die Vertreter der Europäischen Union zurückgeschickt haben. Das macht die Lösungsfindung nicht gerade einfacher. Andererseits ist die Zurückweisung eines Mediators, der sich parteiisch verhält, wiederum der Klassiker des Scheiterns eines Mediationsverfahrens, weil zumindest ein Mediant das Vertrauen in die Allparteilichkeit verloren hat. So ist es auch hier, nachdem die EU -Kommission verlangt, daß Produkte aus israelischen Siedlungen im Westjordanland besonders gekennzeichnet werden.

Quelle: zentralplus.ch

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