Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Oktober 2017

Zertifikation von Mediatoren – Nonsens?

Seit dem 01.09.2017 ist die Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (ZMediatAusbV) in Kraft. Der Gesetzgeber beabsichtigt damit vor allem eine Qualitätssicherung sowie eine Markttransparenz. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese Ziele erreicht werden. Das darf bezweifelt werden.

Die meisten Marktteilnehmer dürften überrascht sein, was sich hinter der Zertifizierung verbirgt. Vermutlich stellen sich viele darunter die Bescheinigung einer unabhängigen Stelle vor, die überprüft hat und bestätigt, daß der zertifizierte Mediator über einen gewissen Kenntnisstand und eine praktische Mindesterfahrung verfügt.

Doch nichts dergleichen ist der Fall. Stattdessen verlangt die neu eingeführte Verordnung – verkürzt gesagt – für das Erlangen der Zertifizierung einen Ausbildungslehrgang von 120 Präsenzstunden, die Durchführung einer (einzigen) Mediation sowie die Durchführung einer Supervision, also eines Gesprächs mit einem Dritten, mit dem der Mediator ein Mediationsverfahren revue passieren läßt, um gemeinsam festzustellen, wie er die eine oder andere Schwierigkeit in einer vergleichbaren Situation das nächste Mal noch besser meistern kann. Die 120-stündige Ausbildung wiederum endet mit keiner Klausur, mündlichen oder praktischen Prüfung. Erfüllt der Mediator die genannten Anforderungen (Lehrgang, eine Mediation und eine Supervision zur durchgeführten Mediation), dann erhält er die Zertifizierung … von sich selbst!

Es gibt also gerade keine unabhängige Stelle, die das Vorliegen der Voraussetzungen bescheinigt. Auch gibt es gerade keine Überprüfung von theoretischem Wissen oder praktischen Fähigkeiten. Eine besondere praktische Erfahrung wird ebenfalls nicht angefordert (1 Fall genügt).

Die Regelungen sichern weder die Qualität noch sorgen sie für Transparenz, sondern führen die Verbraucher und anderen Marktteilnehmer stattdessen in die Irre. Damit verfehlt die Verordnung beide gesetzgeberischen Ziele. Erlassen wurde die Verordnung im Übrigen von dem von Heiko Maas geführten Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV). Vom Schutz der Verbraucher kann hier allerdings keine Rede sein.

Die (erst) nach der Selbst-Zertifizierung abzuleistenden Fortbildungen und weiteren 4 Fälle samt Supervisionen ändern nichts daran, daß den potentiellen Medianten mit dem Siegel „zertifizierter Mediator“ eine vermeintliche Qualität vorgegaukelt wird.

Ausführlicher demnächst hier auf dem Blog.

 

Quellen:

Röthemeyer, Peter: Die Zertifizierung nach der ZMediatAusbV, Zeitschrift für Konflikt-Management (ZKM) 06/2016, S. 195 ff.

Plassmann, Michael: „Zertifizierung light“ – Verbraucher und Mediatoren in der Zertifizierungsfalle?, Anwaltsblatt (AnwBl) 01/2017, S. 26 ff.

Advertisements
Verfasst von: Axel Brodehl | 31. August 2017

Mediation in Krisengebieten

Mediation in Krisengebieten stellt sich als besonders schwierig dar. Daher werden internationale Friedensorganisationen und lokale Mediationsgruppen in Krisengebieten von verschiedenen Organisationen unterstützt. Gefördert werden neben Frühwarnsystemen und schnellen Reaktionsteams unter anderem auch vertrauensbildende Maßnahmen, um dauerhaft eine deeskalierende und deradikalisierende Wirkung zu entfalten.

Unterstützt wird die Friedensmediation etwa von der Initiative Mediation Support Deutschland (IMSD), vom Berliner Zentrum für Internationale Friedenseinsätze gGmbH (ZIF), vom Center for Peace Mediation oder von der Robert Bosch Stiftung.

Quellen und weiterführende Informationen:

www.die-mediation.de

www.friedensmediation-deutschland.de

Auswärtiges Amt

Center for Peace Mediation

Verfasst von: Axel Brodehl | 5. Juni 2017

Mediation zwischen Nord- und Südkorea?

Gerüchten zufolge hat der neu gewählte Präsident Südkoreas Moon Jae In den Papst gebeten, zwischen Nord- und Südkorea zu vermitteln. ACI Stampa, ein katholischer Pressedienst, hatte ein entsprechendes Interview mit einem Erzbischof veröffentlicht. Dieser hatte von der südkoreanischen Bitte berichtet und auf den vom Vatikan erzielten Erfolg beim Konflikt zwischen Kuba und den USA verwiesen. Die südkoreanische Regierung indes widersprach dieser Darstellung. Derweil blickt die Welt weiterhin auf Nordkorea.

Vielleicht ist ja eine für alle Seiten gesichtswahrende Mediation ohne mediale Aufmerksamkeit möglich.

In diesem Sinne: Frohe Pfingsten!

Quelle: Kirche+Leben Netz

Verfasst von: Axel Brodehl | 9. Mai 2017

BVB: Krise im Saison-Endspurt

Der Fußballprofiverein Borussia Dortmund (BVB) steckt ganz offensichtlich in einer Krise. Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus auf dem Weg zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco am 11.04.2017 übten Spieler Kritik an der Entscheidung, das Spiel nur einen Tag später nachzuholen. Trainer Thomas Tuchel schloß sich dieser Einschätzung an. Dies wird mitunter als Kritik nicht nur an der UEFA, sondern indirekt auch an der Vereinsführung gewertet. In einem Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung bestätigte der Geschäftsführer des BVB Hans-Joachim Watzke, daß es Unstimmigkeiten mit dem Trainer gibt.

Von außen betrachtet wirkt es auf viele unverständlich, daß ein interner Konflikt öffentlich ausgetragen wird und dies auch noch in der heißen Endphase der Saison geschieht. Immerhin stehen nur noch 2 Bundesligaspiele an, in denen der BVB den 3. Platz mit derzeit 2 Punkten Vorsprung verteidigen möchte. Und in 2,5 Wochen möchte der BVB im Pokal-Finale die Eintracht Frankfurt besiegen. Viel Zeit zum Austragen von Konflikten gibt es da nicht.

Solange nicht alles ein großes Ablenkungsmanöver ist, um die Konkurrenz zu täuschen, könnte eine externe Unterstützung bei der Konfliktbearbeitung helfen, so daß sich (wie in einem Unternehmen) alle Beteiligten schnellmöglich wieder auf ihre Arbeit und die gemeinsamen Ziele konzentrieren können.

Quelle: Sueddeutsche.de

Verfasst von: Axel Brodehl | 16. April 2017

Frohe Ostern!

Gerade lese ich mal wieder Artikel zur Rolle des Rechts in der Konfliktbearbeitung, mit Schwerpunkt auf den Auswirkungen des 2012 eingeführten Mediationsgesetzes – ein immer wieder spannendes und vielseitiges Thema.

Bei all den schlechten Nachrichten aus aller Welt möchte ich nicht versäumen, Ihnen allen FROHE OSTERN zu wünschen, ein friedliches verbleibendes Jahr und alles Gute!

Beste Grüße aus Frankfurt

Ihr Axel Brodehl

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. März 2017

Mediation bei Schweizer Flugsicherung

Ende 2016 lief der sogenannte Gesamtarbeitsvertrag der Fluglotsen der Schweizer Flugsicherung aus. Seither ringen Skyguide, die mit ca. 1.500 für die Flugsicherheit der Schweiz und des angrenzenden Flugraums sorgt, und die Gewerkschaft Aerocontrol um eine neue Vereinbarung. Nachdem in monatelangen Verhandlungen keine Einigung zwischen den Sozialpartnern zustande kam, wurde nun ein Mediator eingeschaltet. Ziel ist es, innerhalb von maximal 3 Monaten eine gemeinsame Lösung zu finden.

Arbeitskampfmaßnahmen haben bislang nicht stattgefunden. Auch habe die Gewerkschaft laut Medienberichten noch keine Streiks angedroht. Da die Fluglotsen, die an 14 Schweizer Flughäfen eingesetzt sind, dringend gebraucht werden und in ganz Europa ein Fachkräftemangel besteht, steht die Befürchtung im Raum, daß die Fluglotsen ins europäische Ausland abwandern könnten.

Spannend ist, ob und inwieweit für die Fluglotsen neue Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden.

Quelle: SRF.ch

Verfasst von: Axel Brodehl | 4. März 2017

Südkurven-Problem bei FC Carl Zeiss Jena

Beim Fußball treffen bekanntlich verschiedene Interessen aufeinander. Einen Streit ganz anderer Art erlebt(e) gerade der FC Carl Zeiss Jena. Geplant ist ein Stadion-Neubau, bei dem die Fans aus der Südkurve in Zukunft in der Nordkurve untergebracht werden sollten, wogegen sich die Fanorganisationen wehrten. Die Ordnungsbehörden wiederum pochten auf der Umsetzung des Projekts aus Sicherheitsgründen. Und die Stadt Jena wähnte sich zwischen den Stühlen, da sie einerseits den Verein unterstützen, die Fans nicht verärgern, aber auch baupolizeiliche Vorgaben einhalten will.

Nun kam es zu einem Mediationsverfahren, an dem Fanorganisationen, der Verein, die Stadt Jena, die Polizei, die Feuerwehr und das Innenministerium teilnahmen. Es wurde verlautbart, daß die Mediation erfolgreich verlaufen sei. Es sei eine gemeinsame Lösung gefunden worden, wonach die Fans in der Südkurve bleiben können, wenn die Fanorganisationen innerhalb einer vorgegebenen Frist eine Selbstverpflichtung unterschreiben und sich dann auch daran halten. Hierzu zählen ein selbstorganisierter Ordnerdienst, die Bereitschaft, bei Risikospielen eine angepaßte Fanroute zu nehmen, die Zahlung eines Bau-Solis von 1 Euro pro Person pro Spiel sowie weitere Maßnahmen.

Im Mediationsergebnis wurde auch festgehalten, was passiert, wenn man sich nicht an die Abmachung hält: Dann müssen die Fans doch in die Nordkurve. Die Stadt prüft nun, wie das Konzept baulich verändert werden muß, um das Mediationsergebnis umzusetzen.

Mediationen im öffentlichen Bereich zeichnen sich dadurch aus, daß in der Regel nicht nur zwei, sondern mehr Parteien in einen Konflikt involviert sind. Außerdem sind oftmals eine oder mehrere der Parteien in sich nicht heterogen. Dies kann die Lösungsfindung zusätzlich erschweren. Herzlichen Glückwunsch, daß im vorliegenden Fall eine für alle Seiten akzeptable Lösung gefunden wurde.

Quellen:

Jena TV

Tühringen24

 

Verfasst von: Axel Brodehl | 28. Februar 2017

Mediation im Gesundheitswesen

Wenn man von Mediation hört oder liest, dann werden typischerweise Konflikte in der Nachbarschaft, in der Familie, am Arbeitsplatz oder in anderen wirtschaftlichen Kontexten, in der Schule, bei öffentlichen Bauprojekten, o.ä. genannt. Ein Tätigkeitsfeld, von dem man nicht so häufig hört, ist die Mediation im Gesundheitswesen.

Nun findet am 17.03.2017 eine Tages-Veranstaltung exklusiv zu dieser Materie statt. Im ersten Moment könnte man sich wundern, daß ein ganzer Kongreß diesem Thema gewidmet ist. Doch bei näherem Nachdenken macht das durchaus Sinn, da es auch hier viele spannende Felder gibt, wie beispielsweise Streit um Behandlungsfehler, Enttäuchungen im Krankenhaus, Abstimmungsschwierigkeiten bei der Pflege eines nahen Angehörigen, Ärger um den Führerscheinentzug aus körperlichen oder geistigen Gründen oder das Etablieren und Durchführen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Der Initiativ-Kongreß „Mediation und Gesundheit“ wird organisiert von der Initiative Mediation und Gesundheit e.V. und findet in Düsseldorf statt.

Nähere Informationen zu der Veranstaltung samt der Möglichkeit, sich anzumelden, finden sich hier.

Verfasst von: Axel Brodehl | 1. Februar 2017

Neue Unternehmerpflichten gelten ab heute

Seit heute gelten die neuen Unternehmerpflichten des Verbraucherstreitbeilegungsgesetzes (VSBG). Das bedeutet, die betroffenen Unternehmer müssen ab sofort auf ihrer Website bzw. in ihren AGB Verbrauchern gegenüber mitteilen, ob sie im Falle eines Konflikts bereit oder verpflichtet sind, an einem Streitbeilegungsverfahren teilzunehmen, und welche Verbraucherschlichtungsstelle zuständig ist.

Nähere Informationen finden sich hier.

Verfasst von: Axel Brodehl | 2. Januar 2017

Friedliches Neues Jahr

Nach einem – zumindest gefühlt – gewaltsameren Jahr 2016 wünsche ich allen ein gesundes, glückliches, erfolgreiches und friedliches Neues Jahr!

Mögen Sie von großen Konflikten und Zwietracht verschont bleiben, so daß Sie sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren können.

Alles Gute und mit besten Grüßen

Ihr Axel Brodehl

Older Posts »

Kategorien