Verfasst von: Axel Brodehl | 31. März 2014

Greift die Rechtsschutzversicherung?

Viele Versicherungen haben erkannt, daß ein Mediationsverfahren häufig deutlich günstiger als ein Gerichtsverfahren ist. Daher sind Mediationsverfahren inzwischen bei vielen Rechtsschutzversicherungen mit abgedeckt. Allerdings unterscheiden sich die Angebote immens. Angefangen bei der Frage, ob die eigene Rechtsschutzversicherung überhaupt bei Mediationen einspringt, über die Frage nach der Selbstbeteiligung (ob und wenn ja, wie viel) oder der maximalen Versicherungssumme pro Fall bis zu jährlichen Deckelungen oder der maximalen Anzahl der unterschiedlichen Mediationsverfahren gibt es eine große, unübersichtliche Auswahl.

Fragen Sie Ihre Rechtsschutzversicherung, ob sie Sie bei Mediationsverfahren unterstützt und mit welchen Leistungen Sie rechnen dürfen.

Verfasst von: Axel Brodehl | 26. Januar 2014

Bekanntheit und Akzeptanz der Mediation gestiegen

Der Durchschnittsbürger zieht erst ab einem Streitwert von 1.950 Euro vor Gericht. Das ergab der ROLAND Rechtsreport 2014, der vom Institut für Demoskopie Allensbach erstellt und in diesem Monat veröffentlicht wurde. Bei der Studie kam ebenfalls heraus, daß die Hauptgründe der Vermeidung eines Rechtsstreits vor Gericht einerseits die Angst vor dem Prozeßrisiko und andererseits das Widerstreben ist, Streitigkeiten vor Gericht auszutragen. Das Prozeßrisiko muß in der Tat einkalkuliert werden, beträgt es doch bei einem Streitwert von 1.950 Euro bei nur zwei Instanzen in den meisten Fällen 2.293 Euro ohne Mehrwertsteuer. (Bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten ist das Prozeßrisiko niedriger.) In den meisten Fällen übersteigt damit das Prozeßrisiko den Streitwert bereits bei nur zwei gerichtlichen Instanzen.

Der Rechtsreport 2014 kam des Weiteren zum Ergebnis, daß etwa die Hälfte der Bürger der Meinung ist, daß sich Streitigkeiten im Wege von Mediationsverfahren lösen lassen. Insgesamt sind sowohl die Bekanntheit als auch die Akzeptanz von Mediationsverfahren seit dem Rechtsreport 2010 gestiegen. Die Frage, ob eine Art Prozeßkostenhilfe auch für Mediationen eingeführt werden soll, sprich daß solche Personen, die sich ein Mediationsverfahren nicht leisten können, beim Staat einen Antrag auf Kostenübernahme stellen können, haben 68% der befragten Bürger, aber nur 31% der befragten Richter und Staatsanwälte mit ja beantwortet.

Die Details des Rechtsreports 2014 können auf dem unten angegeben Link nachgelesen werden.

Quelle: ROLAND Rechtsreport 2014

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Dezember 2013

Allen Lesern ein gutes, konfliktarmes Neues Jahr!

Oder sollte ich lieber “konfliktfrei” schreiben? Aber wie wäre ein konfliktfreies Leben? Sicher, viele Konflikte würden wir uns lieber sparen. Andererseits wäre es ganz ohne Konflikte vielleicht langweilig!? Wachsen wir nicht auch an den Konflikten, die uns erwarten?

Wie auch immer: mögen uns nur solche Konflikte begegnen, die wir auch bewältigen können. Und sei es mit fremder Hilfe.

In diesem Sinne alles Gute und ein wundervolles Neues Jahr!

Beste Grüße
Ihr Axel Brodehl

Verfasst von: Axel Brodehl | 29. November 2013

Wettbewerb Mediation

Schon seit vielen Jahren gibt es in den USA Wettbewerbe zum Thema Mediation. 2006 hat die Internationale Handelskammer in Paris einen vergleichbaren Wettbewerb nach Europa geholt, den ICC International Commercial Mediation Competition. Anders als bei Moot Courts geht es hier rund um das Thema Wirtschaftsmediation, mit dem Ziel, kooperative Verhandlungsführung und Streitschlichtung praktisch zu üben. Außerdem schlüpfen die Studenten bei Moot Courts in die Rolle von Juristen. Bei den Mediationswettbewerben hingegen simulieren die Teilnehmer die Parteien eines Mediationsverfahrens.

Nun hat die Duale Hochschule Ravensburg zum zweiten Mal einen entsprechenden Wettbewerb organisiert. Dabei treten Studententeams mit einer gewissen, zum Finale hin immer kürzeren Vorbereitungszeit gegeneinander an und sollen kreative, zukunftsorientierte Lösungen erarbeiten.

Die Wettbewerbe sind sicherlich ein guter Einstieg, um ein (simuliertes) Mediationsverfahren mal mitzuerleben. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund interessant, daß man anders als bei Gerichtsverfahren mangels Öffentlichkeit bei den echten Mediationsfällen nicht einfach zuschauen kann (es sei denn man darf als Praktikant oder als Referendar dabei sein).

Noch spannender wäre es, wenn die Mediatoren ebenfalls von Teilnehmern des Mediationswettbewerbs gespielt würden. Stattdessen wird für die Rolle des Mediators ein professioneller Mediator eingesetzt. Vielleicht wäre das eine Idee für eine neue Kategorie?

Quellen:

Universität Heidelberg

Schwäbische.de

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. Oktober 2013

Sind die Koalitionsverhandlungen eine Mediation?

Das wurde ich diese Woche gefragt. Und ob eine Regierungsbildung mit einem Mediationsergebnis vergleichbar sei. Nein, lautet die Antwort. Zwar mag es sein, daß die Parteien wie Medianten über diverse Punkte streiten. Bei einem Mediationsverfahren unterstützt ein neutraler Dritter, indem er mittels eines vorgegebenen Verfahrens und verschiedener Methoden dafür sorgt, daß die Medianten sich gegenseitig zuhören und eine gemeinsame Lösung finden. Anders bei einer Koalitionsverhandlung, bei der sich die politischen Parteien ohne einen neutralen Dritten zusammensetzen. Die Koalitionspartner suchen aber auch nur eine Lösung für die kommende Legislaturperiode – je nach der Ebene also für 4 bis 5 Jahre. Medianten hingegen suchen eine Lösung, die möglichst dauerhaft halten soll. Der Horizont ist also ein völlig unterschiedlicher.

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. September 2013

Wenn die Feuerwehren streiten

Pastetten ist eine kleine Gemeinde in Oberbayern, nahe bei München. Dort streiten sich – man glaubt es kaum – zwei Feuerwehren. In dem Konflikt geht es um Ausrüstungen, Fahrzeuge oder den Wunsch der einen Feuerwehr, ein eigenes Haus zu erhalten. Der Zwist schwelt wohl schon seit längerem. Die genervten Bürger haben einen Friedensvertrag gefordert. Doch ein Ausschuß zur Beseitigung des Streits brachte keinen Erfolg.

Jetzt läuft ein Mediationsverfahren. CSU-Rat Matthias Zimmerer wird zitiert, ihm sei die Mediation unangenehm. Er mache das nicht freiwillig, die Gemeinde habe jedoch darauf bestanden. Ende Oktober findet die nächste Sitzung statt. Man darf gespannt sein.

Quelle: Merkur Online

 

Seit Tagen schwelt ein Streit zwischen dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und dem für das Bistum zuständigen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst. In einem offenen Brief hatte der Frankfurter Stadtdekan unter anderem den Führungsstil des Bischofs kritisiert.

Der pensionierte Pfarrer Hans-Jürgen Rojahn hält in einem solchen Fall eine Mediation für sinnvoll. Das habe schon bei verschiedenen innerkirchlichen Konflikten funktioniert. Die unterschiedlichen Hierarchien von Stadtdekan und Bischof vergleicht Pfarrer Rojahn mit unterschiedlichen Hierarchieebenen in einem Unternehmen. Dies sei kein Hinderungsgrund, würde die Angelegenheit jedoch erschweren. Es müsse darauf geachtet werden, daß die beiden Konfliktpartner “nicht auf eine Stufe gestellt werden, sondern die Unterschiede in der Stellung innerhalb der Institution beachtet werden.” Dem ist zuzustimmen. Nicht zuzustimmen ist jedoch der Aussage, eine Konfliktbeilegung innerhalb bringe den Vorteil, dass weniger nach außen dringe. Auch bei einer externen Mediation ist das Prinzip der Vertraulichkeit essentiell für den Erfolg des Verfahrens.

Quellen:

Frankfurter Rundschau Online

HR Online

Im Rahmen eines Kommunikationsseminars sollten wir verschiedene Themen vorstellen. Meine Gruppe bekam die Aufgabe, Konfliktmanagement darzustellen. Also haben wir zunächst in drei kurzen Rollenspielen die verschiedenen Eskalationsstufen vorgestellt. Unser Trainer meinte, die Darstellung der höchsten Eskalationsebene sei zu aggressiv dargestellt worden. Nun stellt sich die Frage: gibt es eine Grenze an Agressivität, die niemals in Konflikten überschritten wird?

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat hierzu 9 Eskalationsstufen entwickelt, die er in 3 Ebenen einteilt:

Stufe 1: Verhärtung

Ab und zu gibt es Meinungsverschiedenheiten. Ein Konflikt wird noch gar nicht als solcher wahrgenommen.

Stufe 2: Polarisation und Debatte

Die Parteien überlegen sich, wie sie die andere Seite mit Argumenten überzeugen. Die Meinungsverschiedenheiten führen zu einem Streit.

Stufe 3: Taten statt Worte

Abbruch von Gesprächen oder das Schaffen von Fakten bestimmen das Bild.

Stufe 4: Images und Koalitionen

Das eigene Image wird aufpoliert, Allianzen werden gegründet.

Stufe 5: Gesichtsverlust

Inzwischen versucht man aktiv, den anderen zu demaskieren und denunzieren.

Stufe 6: Drohstrategien

Man weiß sich nicht mehr weiter zu helfen, als die eigene Position durch Drohungen durchzusetzen. Es werden Ultimaten gestellt.

Stufe 7: Begrenzte Vernichtungsschläge

Jetzt wird versucht, dem anderen ernsthaft Schaden zuzufügen. Ziel ist jedoch noch nicht die Vernichtung des anderen.

Stufe 8: Zersplitterung

Das Ziel der Vernichtung des anderen ist hier nun erreicht. Dafür ist man zu fast allem bereit.

Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund

Rasend vor Wut gibt es nur noch ein Ziel: die totale Vernichtung des anderen, selbst wenn man selbst draufgeht. Nicht selten führt das gemeinsam in den Abgrund.

Stufen 1 – 3: Win-Win

Hier ist es noch möglich, daß beide gemeinsam als Gewinner aus der Situation herauskommen.

Stufen 4 – 6: Win-Lose

Hier läuft der Konflikt darauf hinaus, daß eine Seite verlieren wird.

Stufen 7-9: Lose-Lose

Hier eskaliert die Situation dermaßen, daß in der Regel beide Seiten verlieren.

Sofern man das überhaupt verallgemeinern kann (die Grenzen sind selbstverständlich fließend), haben Konfliktparteien in den ersten 3 Stufen gute Chancen, den Streit noch selbst aus dem Weg zu räumen. Ab der 4. Stufe ist jedoch in der Regel Hilfe von außen notwendig. Ab den Stufen 7/ 8 ist es – auch unter Zuhilfenahme eines neutralen Dritten – unheimlich schwer, die Negativspirale wieder zu verlassen; die Parteien sind so auf Destruktion ausgerichtet, daß sie sich selbst im Wege stehen, wieder auf einen gemeinsamen Pfad zurückzukommen. Leider kommt diese Situation nicht selten vor – egal ob im Privatleben, im Berufsleben oder auch in militärischen Auseinandersetzungen. Daher ist es ja auch so schwer, aus der Gewaltspirale beispielweise bei Bürgerkrieg herauszukommen. Und somit ist es leider nicht ungewöhnlich, daß gerade auf der letzten Ebene die Agressivität ungeahnte Ausmaße annimmt. Eine natürliche Grenze nach oben ist nicht vorhanden.

Verfasst von: Axel Brodehl | 30. Juni 2013

Ist eine Pflichtmediation wie in Italien zielführend?

Die italienische Regierung hatte schon seit 1993 Anreize zur Durchführung von Mediationen gesetzt. Ziel war die Reduzierung der Gerichtsverfahren. Nachdem dies zu keinen nennenswerten Ergebnis geführt hatte, wurde im März 2011 eine Pflichtmediation eingeführt und im Oktober 2012 wieder abgeschafft. Nun hat das italienische Parlament am 18.06.2013 entschieden, die Pflichtmediation in bestimmten Rechtsgebieten wie Mietrecht, Erbrecht oder Versicherungsrecht wieder einzuführen. Damit soll der Rückstau von ca. 4 Millionen Gerichtsverfahren reduziert werden.

Aber ist eine solche Pflichtmediation auch zielführend? Natürlich wird das Mediationsverfahren hierdurch schlagartig bekannter. In den betroffenen Rechtsgebieten führt kein Weg an einer Mediation vorbei, wenn man seine Rechte gegebenenfalls noch gerichtlich durchsetzen will. Andererseits darf nicht übersehen werden, daß eine der Kernprinzipien der Mediation die Freiwilligkeit ist. Nur hierdurch sind die Medianten in der Regel bereit, sich zu öffnen und die Hintergründe ihrer Positionen und Forderungen offenzulegen. Und das wiederum ist ausschlaggebend für den nächsten Schritt, nämlich der Versuch, gemeinsam eine dauerhafte Lösung zu finden. Mein Votum ist daher klar gegen die Einführung einer Pflichtmediation in Deutschland.

Oder wie sehen Sie das?

Quellen:

Südtirol Online (Ausgabe vom 30.10.2012)

Südtirol Online (Ausgabe vom 18.06.2013)

Verfasst von: Axel Brodehl | 31. März 2013

Frohe Ostern

Wir wünschen allen frohe und integrative Ostern!

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