Verfasst von: aXel Brodehl | 20. Oktober 2009

Mobbing in der Behörde

Eine kurze, aber sehr interessante Information fand sich gestern im Onlineauftritt der TAZ. Dort steht, daß unter dem Hamburger Innensenator Udo Nagel bereits vor vier Jahren in einer Dienstvereinbarung für sämtliche Bereiche der Innenbehörde geregelt wurde, daß Mobbing am Arbeitsplatz durch den Einsatz von Mediatoren gelöst werden soll, wenn eine interne Konfliktlösung durch Vorgesetzte oder Konfliktlotsen erfolglos bleibt.

Sicherlich wäre es interessant, die Dienstvereinbarung mal lesen zu können.

Aufhänger für die Kurznachricht ist übrigens der ebenfalls bei der TAZ erschienene Artikel über ein (angebliches) Mobbingopfer bei der Hamburger Polizei.

Quelle: taz.de

Verfasst von: aXel Brodehl | 29. September 2009

Gerichtsmediation sieht anwaltliche Begleitung vor

Nun hat auch das Brandenburgische Justizministerium entschieden, die Gerichtsmediation als Pilotprojekt einzuführen. Vorgesehen ist sie beim Oberlandesgericht (OLG), den Landgerichten (LG) sowie Amtsgerichten (AG). Wie auch zahlreiche andere Bundesländer zuvor verspricht das Land den Einsatz von „besonders geschulte(n) Richterinnen und Richter(n)“. Neu ist allerdings, daß „vorgesehen ist, dass die Beteiligten der gerichtlichen Mediation anwaltlich vertreten sind.“

In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, daß die Medianten Anwälte an ihrer Seite haben. Doch grundsätzlich dürfte die Anwesenheit von die Beteiligten vertretende Anwälte nicht unbedingt dazu beitragen, daß die Mediation erfolgreich wird. Einerseits verkörpern die den einzelnen Parteien zugeordneten Anwälte den Kampf, der ja gerade beigelegt werden soll. Außerdem stellt sich die Frage, ob Mandanten wirklich alles vor ihrem Anwalt thematisieren wollen. So gibt es Ereignisse, die beiden Streitparteien bekannt sind, die jedoch nicht unbedingt an Dritte weitergetragen werden sollen. In solchen Situationen ist es schon schwer, sich vor einem Mediator zu öffnen. Es ist aber etwas ganz anderes, dies auch vor dem eigenen Anwalt zu tun.

Es stellt sich weiterhin die Frage, welche Auswirkung es hat, wenn ein Anwalt in das Geschehen eingreift und seinem Mandanten rät, bestimmte Punkte nicht weiter zu vertiefen oder überhaupt auf den Punkt zu bringen. Der Mediator hat die Streitbeilegung zum Ziel. Die Medianten sollten das gleiche Ziel verfolgen. Ein Anwalt dagegen, der einer Partei zugeordnet ist, wird nicht umhin können, permanent den Gerichtsprozeß im Hinterkopf zu haben, der im Falle des Scheiterns der Mediation wieder aktiviert wird.

Quintessenz ist, daß der Einsatz von teilnehmenden Anwälten in den Lagern der Beteiligten grundsätzlich zu vermeiden ist, da alleine ihre Anwesenheit kontraproduktiv wirken könnte. Das Brandenburgische Justizministerium sollte diesen Punkt also nochmals überdenken.

Quelle: Info-Potsdam.de

Verfasst von: aXel Brodehl | 14. August 2009

Versuch mißglückt: RTL-Sendung ist eine Katastrophe

Wie bereits berichtet, strahlt RTL seit zwei Wochen die 5-teilige Sendung „Nachbarschaftsstreit – Kolb greift ein“ aus. Darin geht es um nachbarschaftliche Konflikte sowie den Versuch, diese mit Hilfe von Mediationen beizulegen.

Am Mittwoch hatte ich Gelegenheit, die 3. Folge zu sehen. Angeblich werden hier typische Mediationen vorgestellt. Diesem Anspruch wird die Sendung allerdings alles andere als gerecht:

Die Mediation verlangt, dass ein Mediator unparteiisch ist. Herr Kolb allerdings zeigt sich immer wieder parteiisch. Über das übliche „Wenn ich Sie richtig verstehe, dann wollen Sie …“ erklärt er, warum dieses oder jenes Verhalten aus seiner Sicht zu verurteilen sei. Ein mediatives No-Go!

Ferner verstößt er gegen den Grundsatz, dass die Medianten selbst die Lösungen erarbeiten. Stattdessen macht er wie ein Richter oder ein Rechtsanwalt konkrete Vorschläge, wie etwa den Bau einer „optischen Barriere“ oder die Anregung: „Er macht einen Wohlfühlgarten, Sie machen einen Arbeitsgarten.“ Der Vorteil einer (echten) Mediation aber liegt gerade darin, dass die Beteiligten eigene Lösungen erarbeiten, weil genau diese erfahrungsgemäß in der Regel akzeptiert werden und dadurch auch auf Dauer Bestand haben. Mit fremdbestimmten Lösungen dagegen ist meistens zumindest eine Seite unzufrieden – was nicht selten Anlaß für den nächsten Streit ist.

Absolut ungewöhnlich ist es auch, dass der Mediator die Medianten erst einmal aufeinander prallen läßt, ohne dass er selbst anwesend ist. Dadurch hat er keine Möglichkeit, im Falle einer Eskalation sofort vermittelnd einzugreifen. In der Sendung verlässt eine Beteiligte bereits nach einer kurzen Weile den Raum, so dass er sie wieder „einfangen“ muss. Aufgrund der Tatsache, dass viele Leute einer Mediation zunächst skeptisch gegenüber treten, riskiert ein Mediator, auf diese Weise jemanden gleich zu Anfang endgültig zu verlieren. Damit torpediert Kollege Kolb seine eigene Mediation. Vertrauen zu schaffen sieht anders aus.

Und wenn wir schon beim Thema Vertrauen sind: Während er die Beteiligten das erste Mal aufeinanderprallen lässt, ist er selbst nicht nur abwesend, sondern lässt sie auch noch heimlich überwachen. Damit verletzt er die Vertraulichkeit – eine essentielle Voraussetzung jeder Mediation – in eklatanter Weise.

Dies alles sowie die Tatsache, dass bei laufender Kamera nur bedingt eine Offenheit erzeugt werden kann, sprechen allesamt gegen die Sendung „Kolb greift ein“.

Der einzige Vorteil der Sendung ist die Tatsache, dass sich der Bekanntheitsgrad der Mediation durch die Ausstrahlung erhöhen dürfte. Die Frage ist jedoch: „zu welchem Preis?“ Denn hier wird ein völlig falsches Bild der Mediation erzeugt!

Verfasst von: aXel Brodehl | 8. August 2009

Städtische Konfliktlösung

Seit dieser Woche bietet die bayerische Stadt Erding Konfliktlösungen an. Im Rathaus steht ab sofort eine Mediationsstelle zur Verfügung. Bürger können zunächst ein kostenloses Beratungsgespräch in Anspruch nehmen und sich dann entscheiden, ob sie versuchen wollen, ihren Streit auf diese Weise zu lösen. Betrieben wird die Mediationsstelle von drei Rechtsanwältinnen, die jeweils auch eine Mediationsausbildung durchlaufen haben.

Die Idee der Stadt ist nicht schlecht. Allerdings hinkt es an der Umsetzung: die Mediationsstelle ist nur einmal im Monat für 3 Stunden geöffnet. Und außerhalb der Öffnungszeiten sind die Mediatorinnen nur an zwei Abenden pro Woche für anderthalb Stunden telefonisch erreichbar. Das dürfte für Konflikte zu selten sein.

Quelle: merkur-online.de

Verfasst von: aXel Brodehl | 3. August 2009

Mediationstag 2009 des DAV

Am 25. und 26. September 2009 findet im Hotel Steigenberger Mannheimer Hof in Mannheim die diesjährige Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Mediation im DeutscherAnwaltVerein statt.

Die nur auf 90 Minuten angesetzte Mitgliederversammlung ist eingebettet in die Veranstaltung „Mediationstag 2009″, der unter dem Motto „Mediation in der öffentlichen Wahrnehmung“ steht.

Am Samstag beschäftigen sich die Vorträge mit der Mediation in der Wahrnehmung der Medien, der Wirtschaft sowie von Verbänden. In einer Podiumsdiskussion wird die Mediation aus der Sicht der Mediatoren erörtert.

Am Sonntag wird das Thema „Akquisition von Mediationsmandanten“ vorgestellt sowie ein Workshop zum Thema „Selbstmarketing – Aufbau und Pflege von Netzwerken“ angeboten.

Nähere Informationen erhalten Sie hier.

Verfasst von: aXel Brodehl | 29. Juli 2009

Konflikte bei RTL

Heute startet eine neue TV-Serie zum Thema Mediation in der Nachbarschaft. Konflikte wie Nachbarschaftsstreitigkeiten werden in vielen Sendungen aufgegriffen. Allerdings sollen dieses Mal nicht die Konflikte selbst, sondern deren Lösungsfindung im Vordergrund stehen.

In „Nachbarschaftsstreit – Kolb greift ein“ werden in der Prime time ab 20:15 Uhr Fälle vorgestellt, die vom Rechtsanwalt und Mediator Kolb begleitet werden.

Bereits zwei Mediatoren haben mir erzählt, sie seien angesprochen worden, ob sie nicht in einer Reality-Show zum Thema Mediation mitmachen wollten. Beide haben jeweils dankend abgelehnt. Sie sind der Auffassung, eine Mediation kann nicht bei laufenden Kameras durchgeführt werden.

Und sie haben Recht. Die für eine Mediation absolut erforderlichen Voraussetzungen wie Vertraulichkeit, Offenheit, etc. können nicht gewahrt werden. Denn wer kann schon behaupten, bei laufenden Kameras genau so zu handeln wie ohne Kameras. Es ist schon schwierig, in kleinstem Kreis die eigenen Gedanken und Gefühle offenzulegen.

In Frage kommt also nur eine Sendung, in der Fälle nachgespielt werden. Hoffen wir im Sinne der Mediation, daß RTL nicht versucht, etwas anderes daraus zu machen.

Quelle:

Nordsee-Zeitung.de

Verfasst von: aXel Brodehl | 28. Juli 2009

Positionspapier der Deutschen Wirtschaft

Regelmäßig treffen sich namhafte Unternehmen wie SAP, E.ON, Siemens, Audi, Bayer, Bombardier und die Deutsche Bahn in der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) am „Round Table ‘Mediation und Konfliktmanagement’ der deutschen Wirtschaft“.

In ihrem aktuellen Positionspapier begrüßen die teilnehmenden Großunternehmen, bei denen es sich allesamt um bedeutende Nutzer der Mediation handelt, den Bedeutungszuwachs, den die Mediation durch die europäische Mediationsrichtlinie und das daraus resultierende Gesetzgebungsverfahren zu einem möglichen Mediationsgesetz erlangt. Die Teilnehmer befürworten eine Anwendung der Richtlinie auch über das Zivil- und Handelsrecht hinaus. Allerdings lehnen sie eine zu detaillierte Regulierung der Mediation ab, sondern fordern, daß der Gesetzgeber sich in der inhaltlichen Umsetzung der Richtlinie auf die Grundzüge beschränkt.

In ihrem Positionspapier fordern sie weiterhin, die Mediationsausbildung nicht zu reglementieren, sondern statt dessen nur den europäischen Verhaltenskodex für Mediatoren zu stärken. Auch lehnen sie Anerkennungs-, Zulassungs- oder Gütesiegelregelungen ab.

Diese und weitere Forderungen können in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift für Konfliktmanagement (ZKM) im Volltext nachgelesen werden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Verfasst von: aXel Brodehl | 27. Juli 2009

Lothar de Maizière mediiert

Der einzig demokratisch gewählte DDR-Ministerpräsident und spätere Chef des Bundeskanzleramts Lothar de Maizière soll als Mediator in Potsdam tätig werden. Dort streiten Nachbarn und die Gemeinde über den südlichen Uferweg des Groß Glienicker Sees. Dieser war bislang öffentlich. Allerdings befindet sich der Uferbereich teilweise in Privatbesitz. Daher hatten Anrainer bereits im Jahr 2000 einen Teil des Weges gesperrt. In einem Eilverfahren wurde damals entschieden, der Weg müsse wieder frei gemacht werden. Demnächst beginnt nun das Hauptsacheverfahren.

Im Falle des in der Nähe befindlichen Griebnitzsees hat das zuständige Oberverwaltungsgericht (OVG) im April diesen Jahres entschieden, daß die Öffentlichkeit kein Betretungsrecht habe, da die Grundstücke Privatbesitz seien. Dies nahmen nun zwei Anrainer des Groß Glienicker Sees zum Anlaß, erneut Zäune auf den Uferweg zu bauen.

Geplant ist nun eine Mediation, die neben de Maizière von dem Mediator Bräutigam geleitet wird. Allerdings haben sich bislang nicht alle Nachbarn bereit erklärt, an der Mediation teilzunehmen. Doch die Durchführung eines solchen Verfahrens macht nur dann Sinn, wenn sich alle Betroffenen an einen Tisch setzen. Denn das Ergebnis eines Mediationsverfahrens kann keine unbeteiligten Dritten verpflichten.

Es stellt sich auch die Frage, ob bei einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren, das 9 Jahre braucht, um überhaupt zu starten, eine Mediation bereits im Jahr 2000 nicht wesentlich zielführender gewesen wäre. Doch auch jetzt noch kann eine Mediation dazu führen, daß eine Lösung gefunden wird, die für alle Beteiligten tragbar ist.

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten (pnn.de)

Verfasst von: aXel Brodehl | 24. Juli 2009

Gericht schickt Oracle und Alinghi zu Mediator

Das US-amerikanische Segelsport Team BMW Oracle Racing beschuldigt seinen schweizer Kontrahenten Alinghi, den Regeln zuwider auf ihrem neuen Katamaran eine Maschine in den Querbalken eingebaut zu haben. Dieser bewirke das Pumpen des Wassers von einem Rumpf in den anderen, wodurch neben der einzig erlaubten Antriebsquelle Segel eine weitere kreiert worden sei. Nun weigerte sich das New Yorker Gericht, die Sache zu entscheiden, und schickte die beiden Teams zu einem Mediator, um die Streitigkeiten aus dem Weg zu räumen.

Bereits Ende 2007/ Anfang 2008 stritten die Teams vor Gericht. Damals ging es darum, ob Alinghi gezwungen werden kann, gegen den Herausforderer Oracle noch im Jahr 2008 antreten zu müssen. Dagegen wehrten sich die Schweizer. Damals entschied das New York Supreme Court, daß Alinghi nicht an einem Wettkampf teilnehmen muß.

Wie so häufig hatte also eine Gerichtsentscheidung (hier die des New York Supreme Courts im Jahr 2008) nicht dazu geführt, den Streit beizulegen und die Parteien dauerhaft zu befrieden. Nun erhält die Mediation eine Chance.

Quellen:

Financial Times Deutschland

Tagesanzeiger.ch

Verfasst von: aXel Brodehl | 21. Juli 2009

Expertenkommission noch nicht so weit

Die im Frühjahr 2008 einberufene Expertenkommission zur Prüfung der außergerichtlichen, der gerichtsnahen und der gerichtsinternen Mediation ist noch zu keinem Ergebnis gekommen. Das ergab eine parlamentarische Anfrage der Fraktion Die Linke. Neben der Förderung der außergerichtlichen Mediation wird geprüft, inwiefern eine gesetzliche Regelung der gerichtlichen Mediation erforderlich ist.

Gerade die gerichtliche Mediation, die an immer mehr Gerichten angeboten wird, ist sehr umstritten. Vor kurzem hielt Frau Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG), auf dem Deutschen Mediationstag 2009 in Jena eine flammende Rede, in der sie die gerichtliche Mediation in höchstem Maße kritisierte.

Quelle: Deutscher Bundestag

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