Verfasst von: Axel Brodehl | 30. Juni 2015

Wenn Engagement zu Konflikten führt

Manche nennen es Vereinsmeierei. Andere eine Lebensaufgabe. Egal, wie man es sieht: auch ein Ehrenamt ist nicht zwangsläufig konfliktfrei.

Man stelle sich vor: ein Verein hat Sitze in verschiedenen Städten. Jeder Ortsverein hat seine eigenen Mitglieder, seinen eigenen Vorstand, und organisiert seine eigenen Veranstaltungen. Man besucht sich gegenseitig und nimmt an wechselseitigen Veranstaltungen teil. Manche Mitglieder bewerben ihre eigenen Veranstaltungen, und manche Mitglieder bewerben sogar ausgewählte Veranstaltungen anderer Vereine. Manchmal passiert es, daß die Veranstaltungen mehrerer Ortsvereine an demselben Termin stattfinden. Und manchmal finden Veranstaltungen zwar zu unterschiedlichen Terminen statt, sind sich inhaltlich aber nicht völlig unähnlich. Und so bewirbt der eine (A) munter auch eine „fremde“ Veranstaltung, nichts Böses ahnend.

Und dann – kawusch – kriegt er eins auf den Deckel. Nein, nicht von seinen eigenen Leuten, die ihm vorhalten könnten, wie blöd er sei, auch für eine fremde Veranstaltung zu werben, sondern von dem Organisator (B) des anderen Ortsvereins. Der Vorwurf lautet: mit Deiner Werbung für Eure eigene Veranstaltung wirbst Du potentielle Teilnehmer für meine Veranstaltung ab und fügst meinem Ortsverein einen finanziellen Schaden zu. Deine heutige Werbung für Eure Veranstaltung hat dazu geführt, daß sich in der Vergangenheit nur 11% der von mir erwarteten Teilnehmer angemeldet haben.

Und statt das untereinander zu klären, nimmt B gleich noch jede Menge weiterer Leute in seinen Mailverteiler auf. Zwischendrin schreibt er eine so heftige Mail gespickt mit Vorwürfen über A, daß er sich nicht einmal traut, den A im Verteiler zu belassen. Danach schreibt er auch A wieder an mit neuen Vorwürfen. Die Mails enden jeweils mit dem Hinweis, er sei ja zum Gespräch bereit.

Mit jedem weiteren unberechtigten Vorwurf wird die Eskalation gesteigert. A versteht nicht, wie ihm geschieht; eigentlich hatte er nur helfen wollen. Aus wissenschaftlicher Sicht kann man sehr schön nachvollziehen, wie die nach Friedrich Glasl beschriebenen Eskalationsstufen eine nach der anderen erklommen werden. Die spannende Frage ist: läßt sich A weiter in den Eskalationsstrudel reinziehen? Und wo endet das: gemeinsam in den Abgrund? Oder resigniert A, entfernt sich und widmet sich wichtigeren Dingen im Leben?

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