Verfasst von: Axel Brodehl | 2. Mai 2009

Mediation im Arbeitsrecht – ein Bericht vom Dt. Mediationstag 2009

Er war spannend, der Deutsche Mediationstag 2009. Wesentlich spannender als erwartet.

Es fällt schwer, die vielen Eindrücke, Erfahrungen und interessanten Gespräche in einem Artikel auch nur annähernd anzudeuten. Dieses Jahr stand der Dt. Mediationstag unter dem Motto „Mediation im Arbeitsrecht“. Eine Reihe hochkarätiger Redner und Diskussionsteilnehmer wurden erwartet. (Um eine detailliertere Aufzählung zu vermeiden, erfolgt hier ein Hinweis auf einen früheren Artikel mit der Ankündigung der Veranstaltung.)

Was war nun so besonders am diesjährigen Mediationstag?

Der Eingangsredner Prof. Dr. Hanns Prütting ummalte ein Bild von dem Zusammenspiel von Mediation und Arbeitsrecht. Dabei deutete er zaghaft an, daß er die gerichtliche Mediation kritisch sehe. Erstes Raunen im Saal. Es folgte eine Rede von Frau Dr. Ittner von der Universität Magdeburg, die die psychologischen Aspekte einer Mediation beleuchtete. Insbesondere für die Vielzahl der anwesenden Juristen war dieser Vortrag äußerst interessant. Denn auch wenn einem als Mediator bewußt ist, daß die Psychologie eine große Rolle spielt, gab es einige hilfreiche Hinweise.

Und dann kam Frau Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG). Quintessenz ihres Vortrags war, daß sich die Mediation zwar im Arbeitsbereich einsetzen läßt. Allerdings seien Gerichte nicht der richtige Ort hierfür. Zum einen sei das nicht Aufgabe der Gerichte. Zum anderen würde die Gerichtsmediation sämtliche anderen Gerichtsverfahren unnötig verzögern, was nicht hinnehmbar sei. (Aufgrund seiner Brisanz stelle ich ihren Vortrag in den kommenden Tagen in einem separaten Artikel eingehender dar.) Die Resonanz aus dem Publikum war so, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnte: schätzungsweise dreiviertel der Zuhörer klatschte frenetisch und langanhaltend, der Rest saß stumm da, manch einer schüttelte den Kopf. Auch die anschließende Diskussion zeigte, daß nicht alle Anwesenden einverstanden waren. Aber die Rede bestätigt die bereits in der Vergangenheit vereinzelt immer wieder genannte Kritik an der Gerichtsmediation (siehe hier oder hier).

Frau Schmidts Vortrag sorgte für zahlreiche Diskussionen bei der anschließenden Stadtführung, beim Abendempfang sowie in den Kaffeepausen des zweiten Tages.

Diesen läutete Herr Roland Lukas, ehemaliger Arbeitsrichter und bekannter Mediator und Einigungsstellenleiter aus Frankfurt am Main, ein. In einem spannenden Vortrag stellte er Beispiele aus der Praxis vor. Anschließend konnten die Teilnehmer an einem von 5 Foren zu unterschiedlichen Themen teilnehmen. In seinem Abschlußreferat faßte Prof. Dr. Christian Fischer den Mediationstag zusammen und gab einen Ausblick auf die Zukunft der Mediation im Arbeitsbereich.

Der Mediationstag 2009 war eine rundum gelungene Veranstaltung, für die ich mich als Teilnehmer an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bedanken möchte. Die Reise nach Jena hat sich auf jeden Fall gelohnt.


Responses

  1. […] des Bundesarbeitsgerichts, Ingrid Schmidt, erhebliche Bedenken (Lesen Sie dazu mehr hier und im Blogbeitrag von Axel […]

  2. […] Vor kurzem hielt Frau Ingrid Schmidt, Präsidentin des Bundesarbeitsgerichts (BAG), auf dem Deutschen Mediationstag 2009 in Jena eine flammende Rede, in der sie die gerichtliche Mediation in höchstem Maße […]

  3. […] statt. Nachdem der Schwerpunkt das letzte Mal auf der „Mediation im Arbeitsrecht“ lag (siehe Bericht), geht es dieses Mal um die „Qualitiät in der […]

  4. […] Meinen Teilnahmebericht eines vergangenen Deutschen Mediationstags in Jena finden Sie hier. […]


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