Verfasst von: Axel Brodehl | 9. November 2008

Betriebsräte als Wirtschaftsmediatoren

Unter dem Titel „Wirtschaftsmediation für Betriebsräte – Kompetenz in Konflikten“ erschien kürzlich ein Artikel von der Wirtschaftsmediatorin Kerstin Halm in der Zeitschrift AiB 2008 Heft 11, 583 – 585 (Arbeitsrecht im Betrieb). Darin wird dargestellt, welche Vorteile das Angebot einer Mediation bei Konflikten in einem Unternehmen regelmäßig bringt. Die Diplom-Pädagogin schlägt vor, daß die Funktion des Mediators am besten vom Betriebsrat ausgeübt würde. Wäre dieser einmal in der Verfahrenstechnik der Mediation ausgebildet, könne er am besten zur Lösungsfindung beitragen. Denn ein „Eingriff von oben“ verschlechtere die Konfliktsituation oftmals.

Der Ansatz ist kritisch zu beurteilen. Zwar ist es richtig, daß ein Eingriff von oben nicht unbedingt förderlich bei der Suche nach einer dauerhaften Lösung ist. Jedoch besteht bei einem Betriebsrat die Gefahr, daß der Vertraulichkeitsgrundsatz nicht gewahrt ist. Denn ein Betriebsrat könnte in das Dilemma kommen, daß er während eines Mediationsverfahrens Informationen erhält, die für seine Tätigkeit als Betriebsrat wichtig sind, die er dann aber nicht verwenden dürfte. Und selbst wenn die Vertraulichkeit absolut gewahrt wäre, wird es zahlreiche Mitarbeiter geben, die Angst davor haben, daß sie sich im Mediationsverfahren öffnen und ihre Gedanken, Gefühle, etc. demnächst auf dem Gang kursieren. Daher besteht die Gefahr, daß sich Beteiligte nicht richtig öffnen, was aber für die gemeinsame Lösungsfindung essentiell wichtig ist.

Dieser Angst und der Gefahr der Verschlossenheit der Beteiligten kann nur begegnet werden, wenn der Mediator ein externer ist, also von außerhalb des Unternehmens kommt. Oder der Mediator ist zwar im Unternehmen angestellt, arbeitet aber ausschließlich als Mediator, hat also keinerlei andere Funktion im Unternehmen und ist gegenüber keinem Vorgesetzten dahingehend rapportpflichtig, daß er Inhalte der Mediationen berichten muß. Solche fest angestellten Mediatoren gibt es bereits in manchen Großunternehmen wie SAP, Daimler oder BASF. Siehe dazu den Beitrag Einzug in Deutschland.


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