Verfasst von: Axel Brodehl | 15. August 2008

Einzug in Deutschland

In anderen Ländern wie etwa den USA oder Frankreich ist die Mediation bereits seit vielen Jahren etabliert, während sie in Deutschland noch nicht den Bekanntheitsgrad erreicht hat, der wünschenswert wäre. Doch allmählich findet sie auch in Deutschland Einzug. In jüngerer Zeit beschäftigen sich zahlreiche Gerichte mit dem Thema. Die öffentliche Verwaltung greift immer häufiger auf Mediationsverfahren zur Konfliktlösung zurück. Und die ersten Großkonzerne wie BASF oder SAP haben inzwischen sogar einen eigenen Mediator für die internen Streitigkeiten angestellt.

Jetzt schlägt die Deutsche Lufthansa AG den Gewerkschaften im derzeitigen Arbeitskampf ein gemeinsames Mediationsverfahren vor. Dabei geht es dem Unternehmen nicht nur um die Beilegung des aktuellen Streits. Der Vorstand stellt sich vor, daß für die Zukunft eine Vereinbarung getroffen wird, wonach jeweils vor dem Aufruf zu einem Streik erst alle Mittel zur Findung eines Ausgleichs zu versuchen sind. Es bleibt abzuwarten, ob ver.di, die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die Kabinengewerkschaft UFO sich darauf einlassen werden.

Quelle:

FAZ


Responses

  1. (…) „Und die ersten Großkonzerne wie BASF oder SAP haben inzwischen sogar einen eigenen Mediator für die internen Streitigkeiten angestellt.“ (…)

    Der Laie wundert sich möglicherweise nicht – aber der Fachmann! Wo bleibt hier die Unabhängigkeit des Mediators?

  2. Hallo Frau Bronner-Martin,
    willkommen auf unserem Blog und herzlichen Dank für Ihren Kommentar.

    Natürlich haben Sie recht, daß ein angestellter Mediator nicht die Unabhängigkeit aufbringen kann, die ein externer Mediator besitzt. Meines Erachtens kommt es daher auf seine genauen Aufgaben an. Hat er etwa eine weitere Funktion im Unternehmen, deckt die Mediation also nur einen Teil seiner Tätigkeit für das Unternehmen ab, dann wäre das äußerst bedenklich. Die Medianten wären nicht frei, offen über den Konflikt zu sprechen. Gleiches würde gelten, wenn er einem Dritten gegenüber nicht nur die Ergebnisse, sondern auch über den Inhalt des Mediationsverfahrens berichten müßte.

    Ist ein Mediator dagegen zwar fest angestellt, aber ohne Pflichten „zum Rapport“ o.ä., sprich müßte er höchstens kurz über das gefundene Ergebnis berichten, dann spricht nicht mehr so viel gegen ein solches Modell.

    Idealer wäre selbstverständlich die Einschaltung eines selbständigen Mediators. Aber die Unternehmen haben bereits einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Sie haben nämlich erkannt, welche enormen Vorteile die Mediation bieten kann. Das ist insbesondere für ihr Arbeitsklima und für den Erfolg der Betroffenen förderlich. Und oftmals können sich danach nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Personen in ihrem Umfeld endlich wieder voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren.

  3. […] auch deutsche Unternehmen Mediationsverfahren für so gewinnbringend, daß zum Beispiel Daimler, SAP und BASF eigene Mediatoren fest angestellt haben. Nun hat der Betreiber des Wiener Flughafens Schwechat den Nutzen von […]

  4. […] Dieser Angst und der Gefahr der Verschlossenheit der Beteiligten kann nur begegnet werden, wenn der Mediator ein externer ist, also von außerhalb des Unternehmens kommt. Oder der Mediator ist zwar im Unternehmen angestellt, arbeitet aber ausschließlich als Mediator, hat also keinerlei andere Funktion im Unternehmen und ist gegenüber keinem Vorgesetzten dahingehend rapportpflichtig, daß er Inhalte der Mediationen berichten muß. Solche fest angestellten Mediatoren gibt es bereits in manchen Großunternehmen wie SAP, Daimler oder BASF. Siehe dazu den Beitrag Einzug in Deutschland. […]

  5. […] Auch die Deutsche Lufthansa AG will nun “vor dem Hintergrund kommender Tarifauseinandersetzungen mit allen Gewerkschaften Spielregeln für den künftigen Umgang miteinander erarbeiten” (FAZ.net). Sie hatte den Gewerkschaften ver.di, Vereinigung Cockpit und UFO bereits im August ein Mediationsverfahren vorgeschlagen. […]


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