Verfasst von: Axel Brodehl | 3. Juli 2008

Reality Show Mediation

Nach all` den Gerichtsshows ist es Zeit für eine Mediationsshow. Das zumindest meinen die TV Produzenten Jerry Lazar und Richard Klinger. Lazar wurde selbst Mediator, nachdem er ein Mediationsverfahren in einem Sorgerechtsstreit in eigener Sache erlebt hatte. Wenn es etwas Gutes gäbe, was er in dieser Welt getan habe, dann sei es, die Menschen auf die Mediation hingewiesen zu haben, sagt er über sich selbst.

Den Pilotfilm zur Reality Show The Peacemaker drehten die beiden bereits im Dezember. Klinger, ebenfalls ein Mediator, will mit der Show das Bewußtsein für die Vorteile der Mediation erhöhen. Allerdings haben die Produzenten bisher keine Sendeanstalt gefunden, die die Show ausstrahlen möchte. Nun wollen sie einige Änderungen vornehmen und es erneut versuchen.

Reality Shows über Mediationen kann meines Erachtens gar nicht funktionieren. Dagegen spricht schon das Vertraulichkeitsprinzip. Wie sollen sich Medianten öffnen, wenn die ganze Nation zuschauen kann? Öffnen sich aber die Medianten nicht, dann können auch nicht die Interessen herausgearbeitet werden. Das Herausarbeiten der hinter den Positionen liegenden Interessen ist jedoch die Stärke der Mediation gegenüber den anderen Methoden zur Beilegung eines Konflikts. Ohne einen offenen Austausch der Gedanken und Gefühle, der vor laufender Kamera höchstens verfälscht stattfinden kann, ist eine Mediation von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Christopher Annunziata schreibt auf seinem Blog ganz richtig: „Ich möchte nicht die nächsten 10 Jahre meines Lebens damit verbringen, den Leuten zu erklären: Nein, es ist nicht genauso wie bei The Peacemaker.”

Ist Mediation im Fernsehen denn überhaupt denkbar? In Betracht käme höchstens eine nachgestellte Show, bei der existierende oder fiktive Mediationsfälle nachgespielt werden. Ob die Zuschauer soetwas aber sehen wollen, darf bezweifelt werden. Und eine Aufmachung à la Gerichtsshows, bei denen regelmäßig die Fetzen fliegen, dürfte der Mediation eher schaden als nutzen.

Quelle: Fight Nicely (Blog)


Responses

  1. Wegen den Gerichtsshows glauben Parteien oft sie dürfen wie dort auftreten. Sie schreien sich an und unterbrechen mich. Gerichtsshows zerstören den Respekt in den Verhandlungen.


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